Aufruf zur Kundgebung am 17.11.2022

Feminizide stoppen – Patriarchale Gewalt bekämpfen!

Aufruf zur Gedenkkundgebung am Donnerstag, 17.11.2022 um 19 Uhr. Kommt mit uns zur Portitzer Straße 1/ Ecke Eisenbahnstraße und gedenkt der Frau, die dort am 08.11.2022 von einem Freier in einem gemieteten Zimmer getötet wurde.

Es heißt Feminizid!

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to:gather Kundgebung am 15.10.



Am 15.10. laden Phia e.V. und #KeineMehr Leipzig ab 16.00 Uhr auf die Kolonadenstraße ein, um zusammenzukommen, sich auszutauschen, zu empowern und für Sophia einen gemeinsamen Ort der Erinnerung zu schaffen. Unterstützt werden wir von PS – Politisch Schreiben, Frauen für Frauen e.V., vom Flinta* Chor Leipzig, von Freund:innen und Genoss:innen, die sich alle, ob politisch, sozial oder künstlerisch, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt an Flintapersonen engagieren und gemeinsam für eine feministische, lebensbejahende Zukunft kämpfen in der kein Mensch mehr aufgrund des Geschlechtes angegriffen oder getötet wird.

Freut euch auf Kuchen und kalte Getränke aus dem “Bis Speter” ab 16.00 Uhr, lyrische und Redebeiträge, Lieder vom Flinta*-Chor Leipzig, gutes Essen ab 18.30 Uhr und Solikonzert im Stoned ab 20.30 Uhr.

Erinnern heißt kämpfen. Kämpfen heisst überwinden. Überwinden heisst Veränderung.

On 15 October at 4pm, Phia e.V. and #KeineMehr Leipzig invite you to Kolonadenstraße to come together, exchange, empower and create a common place of remembrance for Sophia. We are supported by PS – Politisch Schreiben, Frauen für Frauen e.V. , Flinta* Chor Leipzig, by friends and comrades, all of whom, whether politically, socially or artistically, are committed to fighting injustice and violence against Flinta and fighting together for a feminist, life-affirming future in which no one is attacked or killed because of their gender any more.

Look forward to cake and cold drinks from the “Bis Speter” from 4pm, lyrical contributions, talks and singing from the Flinta* Choir Leipzig, good food from 6.30pm and Soliconcert at Stoned from 8.30pm.

Remembering means fighting. Fighting means overcoming. Overcoming means change.
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Wir trauern und gedenken Dorin V.

Sehr geehrte Redaktion der LVZ, Sehr geehrter Herr Döring,

am 27. Dezember 2021 wurde Dorin V. in ihrer Wohnung von einem Mann ermordet. In Deutschland geschieht eine solche Tat jeden zweiten bis dritten Tag. Wir bezeichnen diese Morde als Feminizide und sind immer wieder über die gängige Berichterstattung erschrocken.
Wir freuen uns, dass unsere letzte diesbezügliche Kritik der LVZ zu Veränderungen geführt hat. Dennoch haben wir zu der Berichterstattung zum Feminizid an Dorin V. einige Anmerkungen, die wir gerne mit Ihnen teilen würden und beziehen uns dabei maßgeblich auf die Artikel vom 30.05.2022 und 03.06.2022.
Der Titel des Artikels vom 30.05.2022 ist insofern gelungen, da er die Tat eindeutig als Mord bezeichnet und auch wenn der erste Satz etwas reißerisch anmutet, entstammt er ja nicht ihrer Feder, sondern der der Staatsanwaltschaft. Wir stellen uns jedoch die Frage, ob das Tatmotiv der ausbleibenden Beziehung ebenfalls der Anklageschrift entnommen wurde? Schließlich wirkt dieser Satz wie eine Erklärung für den Mord, die jedoch nur die Täterperspektive berücksichtigt. Auch die Beschreibung des Verhältnisses von Täter und Ermorderter als “Beziehung” wird hier ungefiltert aus der Perspektive des Täters geschildert und führt uns zu der Frage, ob das Kennenlernen der beiden schon als Beziehung zu werten ist. Solche Formulierungen ermöglichen es leider, Assoziationen zu dem viel zitierten Begriff der “Beziehungstat” zu wecken. Hier wiederum wäre darauf zu verweisen, dass es sich bei der Idee, eine Frau müsste dafür bestraft werden, dass sie keine Beziehung zu einem Mann will um die Zuspitzung einer weit verbreiteten Männlichkeitsvorstellung ist, in der Männer qua Geschlecht Anrecht auf Frauen haben. Die Konsequenzen, die sich für Frauen daraus ergeben sind keine Einzelfälle, sondern strukturelles Problem einer männlich dominierten Gesellschaft. Hier bedarf es einer kritischen Einordnung des Motivs des Täters.

Kommen wir zurück zu der Berichterstattung:
Diese Idee einer berechtigten männlichen Anspruchshaltung wird gestützt, in dem die Frage, warum Dorin V. Markus W. die Tür öffnete mit der Aussage verknüpft wird, dass sie ja bereits erneut liiert sei. Soll die Schlussfolgerung hierbei sein, dass eine liierte Frau keine (Ex-)Männer zu empfangen habe?
Keinen Raum bekommt das Leben und die Geschichte der ermorderten Frau. Stattdessen verlieren Sie sich in irrelevanten Ausschmückungen auf ihren Kosten. Welchen Gehalt hat eine Aussage wie “die blonde Lindenauerin”? Welche Relevanz hat es, dass sie Rotwein getrunken hat?
Im Gegensatz zur ermordeten Frau, wird der Mann über seinen Beruf definiert. Diese geschlechtsstereotype Unterteilung (Frau = blond, Mann = Maler) ist per se überholt und kritisch zu betrachten, gleichzeitig verschleiert hier die Hervorhebung des sozioökonomischen Status des Täters, dass Feminizide Alltag in unserer Gesellschaft sind und unabhängig von der sozioökonomischen oder auch ethnischen Herkunft der Täter geschehen.

Erst am Ende des Artikels wird darauf eingegangen, dass Markus W. Dorin V. beschattet haben soll und bereits Monate vor der Tat zu Morden recherchierte. Hier stellen sich wichtige Fragen. Seit wann war das bekannt? Vor der Tat oder erst danach? Hatte Dorin V. bereits versucht rechtlich gegen Markus W.s Verhalten vorzugehen? Hatte sie Angst? Wieso wurde Markus W. sofort als Tatverdächtiger festgenommen? Hier wäre in unseren Augen ein tagesaktueller journalistischer Kommentar interessant. Beispielsweise welche reale Gefahr in Deutschland von Männern ausgeht. Dass jeden Tag ein Mordversuch an einer (Ex)Partner*in verübt wird und jeden zweiten oder dritten Tag gelingt. Dieses Thema erlangte seit Beginn der Corona- Pandemie besondere Aufmerksamkeit, ein Verweis auf das Phänomen partnerschaftliche Gewalt oder Feminizide wäre also einerseits naheliegend (ohne einen nennenswerten Mehraufwand an Recherchearbeit) und andererseits politisch aktuell.
Wichtig wäre an der Stelle auch den Umgang der Sicherheitsbehörden mit der (seit wann bekannten?) Bedrohungssituation für Dorin V. kritisch zu hinterfragen. Hatte sie mit anderen Menschen, vor allem Behörden über das Beobachten und Nachstellen durch Markus W. gesprochen? Wurde sie ernst genommen? Handelt es sich hier auch um ein gesellschaftliches und polizeiliches Versagen? Gab es Ermittlungen? Wird dieses Thema generell ernst genommen? Oder werden Täter durch das Verkennen der strukturellen Komponente nach wie vor geschützt? Zu denken gibt hier der Mord an einer 53-jährigen Frau von ihrem Ex-Partner im nordhessischen Schwalmstadt im Juni diesen Jahres, um nur ein Beispiel zu nennen. Die taz-Journalistin Carolina Schwarz berichtete über das Versagen der Behörden: “Am Vorabend der Tötung hatte es schon einen Polizeieinsatz bei der Frau gegeben, gegen den 58-Jährigen wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Am nächsten Morgen zeigt die Frau ihren Ex-Freund wegen Körperverletzung, Nötigung und Nachstellung an. Die Polizei sieht zu diesem Zeitpunkt keine konkrete Gefährdungslage für die Frau. Wenige Stunden später ist sie tot” (https://taz.de/Nach-Femizid-in-Nordhessen/!5856897/). Es ist die Aufgabe guter journalistischer Arbeit hier auf strukturelle Probleme im Umgang mit Gewalt an Frauen zu verweisen und die genannten Fragen zu stellen.
Das verbindende Element der Fälle ist eine Anspruchshaltung von Männern auf Frauen beziehungsweise ihre (Ex-) Partnerinnen.

Der Artikel, den Sie nur wenige Tage später veröffentlichten, enthält leider nur wenig neue prozessrelevante oder ermittlungstechnische Informationen, bietet uns jedoch Anlass zu einer weiteren Kritik und dient uns als Überleitung für ein zentrales Anliegen bezüglich der Berichterstattung zu Feminiziden. Als erstes, der Titel “Rache-Mord nach Online-Date”: Das Wort Rache impliziert dass es eine affektvolle Tat war, die auf einem Fehlverhalten der Ermordeten fußt, etwas für das sich gerächt werden muss. Damit wird die Perspektive des Täters eingenommen.
Problematisch sind auch reißerische Formulierungen wie “eiskalt erwürgen”, insbesondere im Kontrast zu verharmlosenden Passivkostruktionen, hinter denen die Tat beinahe verschwindet: “die Beziehung endete tödlich” statt “er ermordete sie”.

Im Verständnis und im Umgang mit männlicher Gewalt gegen Frauen spielt die mediale Berichterstattung eine große Rolle und damit tragen Sie Verantwortung. Sie sollten männliche Gewalt als solche benennen! Sie sollten Empathie für die Opfer, statt die Täter schaffen! Sie sollten in Ihren Artikeln Anlaufstellen für Betroffene nennen! Sie sollten respektvoll und mit einem echten analytischen Interesse zu diesen Fällen recherchieren!

Wir trauern und gedenken Dorin V.

und den anderen zwölf getöteten Leipziger Frauen

Es heißt Feminizid.

Keine Mehr Leipzig

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KEINE MEHR – ein dokumentarisches Theaterstück über Solidarität

Bühne für Menschenrechte und keine mehr Leipzig laden ein
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In „KEINE MEHR – ein dokumentarisches Theaterstück über Solidarität“ der Bühne für Menschenrechte erzählen drei Frauen* von Gewalt und ihren Erfahrungen. Und von dem unendlichen, empowernden Kampf.
Wir erzählen nicht von „der Frau“ oder „über“ Frauen*, sondern zeigen ein Theaterstück, das mit betroffenen Frauen gemeinsam entwickelt wurde und ihre Appelle vereint. In Kooperation mit Women in Exile, GKB Bundesverband der Migrantinnen e.V. und Wildwasser e.V.
Auf der Bühne stehen drei Schauspielerinnen, denen die Frauen ihre Stimme leihen. Am Hybrid Live DJ Set: Kat Kat Tat (r a n d o m).
Im Gespräch untereinander und ans Publikum gerichtet sprechen sie als Expertinnen aus Erfahrung und als Menschen gemeinsam offen über ihr Leben, ihren Aktivismus und Solidarität untereinander. Dabei wird klar: Während mehr Menschen ein Bewusstsein für Häuslicher Gewalt entwickeln, ist die Gesellschaft für andere Formen von Gewalt an Frauen scheinbar blind: Kulturelle und institutionelle Gewalt an Frauen stehen wenig in der öffentlichen Diskussion. Mehrfachdiskriminierung aufgrund von Rassismus, Religion, Klassismus, Ableismus und daraus entstehende Gewalt an Frauen werden sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft noch so gut wie gar nicht behandelt.
Hier ist es wichtig, den Diskurs weiterzubringen:
Was bedeutet Gewalt gegen Frauen* über sichtbare Verletzungen hinaus?
Was bedeutet mehrfache Gewalt? Und wie geht es den Frauen*?

Am 11.05. im Conne Island
– Stück ist in englisch und deutscher Sprache mit englischen/deutschen/türkischen Übertiteln, spanische Flüsterübersetzung kann bei Anmeldung bereitgestellt werden
– Kartenkauf nur via Reservierung an anmeldung@conne-island.de
– reservierte Tickets, die nicht abgeholt wurden, verfallen 18:20, und werden zu Abendkassentickets
– 18:00 Uhr Einlass
– 18:30 Uhr Beginn
– derzeit gilt die 3G Regel plus Maskentragen im Innenraum
– der Saal des Conne Island ist hindernisfrei

buehne-fuer-menschenrechte.org/keine-mehr/

facebook.com/buehnefuermenschenrechte/

instagram.com/buehnefuermenschenrechte?igshid=YmMyMTA2M2Y=
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Offener Brief an die “Alte Börse”- keine Plattform für Abtreibungsgegner!

Sehr geehrter Herr Heinzig, sehr geehrte Frau Etzold,

mit großer Verwunderung haben wir wahrgenommen, dass der „Bundesverband Lebensrecht” in Ihren Räumlichkeiten der „Alten Börse” am 30.04. einen Fachtag abhalten wird (vgl. https://www.bundesverband-lebensrecht.de/wp-content/uploads/sites/42/2022/03/FACHTAGUNG-7.pdf#).

Der Bundesverband Lebensrecht ist eine Dachorganisation, die die wichtigsten Anti-Choice-Gruppierungen**, also Vereine und Organisationen die sich gegen sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung einsetzen, vereint.
Die selbsternannte „Lebensrechtbewegung” ist in den 1970er Jahren entstanden und versucht durch verschiedene Tätigkeitsfelder, ihre antifeministischen Forderungen unter die Menschen zu bringen. Das Ziel dieser Organisationen ist, ungewollt Schwangeren den Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch zu verwehren. Sie sind Gegner der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen. Neben dieser Tätigkeit treten Akteur*innen dieser Bewegung durch Queerfeindlichkeit und Bestrebungen, die Rechte von LGBTIAQ*-Personen einzuschränken, auf. Der Bundesverband Lebensrecht organisiert auch den jährlich in Berlin stattfindenden „Marsch für das Leben”.

Der Bundesverband Lebensrecht vereint 15 Mitgliedsorganisationen aus ganz Deutschland. Einer ihrer Vorstandspersonen ist Prof. Dr. Paul Cullen, der auf dem bei Ihnen abgehaltenen Fachtag auch als Referent auftreten wird. Prof. Dr. Cullen ist neben seinem Engagement gegen notwendige medizinische Versorgung auch durch pandemieleugnende und verschwörungsideologische Inhalte aufgefallen. Genaueres können Sie unter folgendem Artikel einsehen: https://www.asta.ms/aktuelles-layout?id=125

Ein weiteres Vorstandsmitglied des Bundesverband Lebensrecht ist Hartmut Steeb, welcher in der Vergangenheit auch auf seiner Facebook-Seite einen Post der AfD geteilt hat (vgl. Screenshot 1, zuletzt geprüft am 19.03.2022). Weiter hetzte er gegen die sogenannte „Gender-Ideologie”, ein Kampfbegriff, der unter anderem von Rechtskonservativen benutzt wird, um den regionalen Vorschriften gemäße sexuelle Bildung an Schulen zu verhindern (vgl. Screenshot 2, zuletzt geprüft am 19.03.2022). Interessante Informationen zu genderbezogenem Antifeminismus finden Sie beispielsweise hier, bei der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/259953/gender-und-genderwahn-neue-feindbilder-der-extremen-rechten/).

Als feministische Vereine, Gruppen und Organisationen fordern wir, dass Vereine wie der Bundesverband Lebensrecht keine Plattform in städtischen Einrichtungen Leipzigs bekommen, denn diese Organisation richtet sich gegen sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung, teilt LGBTIAQ*-feindliche Inhalte und antifeministische Ideologien.

Unterzeichnende:

ein feministisches Recherchekollektiv
AG-Lisa Leipzig. Die Linke
Antisexistischer Support Leipzig
Bellis e.V.
chronik.LE
Conne Island
fantifa Leipzig
Feministische Bibliothek MONAliesA
fem*powerment
Frauenkultur e.V. Leipzig
keine mehr Leipzig
Naturfreundejugend Leipzig
Outside the Box, Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik
translib – ein communistisches labor

** Die Anti-Choice-Bewegung besteht aus Abtreibungsgegner*innen und richtet sich gegen Schwangerschaftsabbrüche und damit gegen das Recht von Frauen auf eine Wahl. Die Bewegung erweitert ihre Themen auf Sterbehilfe, Klonen, Pränataldiagnostik, Stammzellenforschung. Wird als Eigenbezeichnung auch Lebensrechtsbewegung, Pro-Life oder Lebensschutzbewegung genannt. vgl. https://www.belltower.news/lexikon/anti-choice-bewegung/

Screenshot 1

Screenshot 2

Weitere Informationen zu der Organisation finden Sie hier:

https://www.gwi-boell.de/de/2017/02/17/vorsicht-lebensschuetzer
https://www.fr.de/panorama/lebensschutz-rechten-namen-christi-10964059.html
https://www.apabiz.de/thema/bundesverband-lebensrecht-e-v/

„Marsch für das Leben“: Nationalismus in christlichem Gewand

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Redebeiträge zur Kundgebung am 08. März 2022

Wir dokumentieren die Redebeiträge zu unserer Kundgebung am 08. März.

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1) Phia e.V.

Corona, Beratungsstellen und Frauen*häuser
Dem 8.März als internationaler Kampftag der Frauen* fällt auch in diesem Jahr eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Mobilisierung feministischer Thematiken zu. In einer sich ankündigenden Entspannung der pandemischen Lage sehen wir uns nach zwei Jahren privater Einschränkungen unterschiedlichen Herausforderungen völlig neuen Ausmaßes gegenüber.
Die Pandemie hat die Zahl sogenannter partnerschaftlicher Gewaltdelikte explodieren lassen. Nach offiziellen Angaben sind 359 Frauen* im Jahr 2020 von einem Mann getötet worden. Diese unerträgliche Zahl legt die Missstände einer patriarchalen Gesellschaft offen, die ein solches Verbrechen nahezu jeden Tag zulässt. Gleichzeitig gehen Sozialverbände davon aus, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist, da während des Lockdowns der Zugang zu Beratungsstellen oder Angeboten wie dem Hilfetelefon nur eingeschränkt möglich waren. Der private Nahraum ist nach wie vor der Ort, an dem Gewalt gegen Frauen* am häufigsten stattfindet. Weil das alltägliche Leben noch immer zu einem größeren Teil außerhalb der Öffentlichkeit als sonst stattfindet, bleibt die Situation nach wie vor besonders angespannt. Gerade deswegen ist es nun umso wichtiger, Kapazitäten in Frauen*häusern und von Beratungs- und Aufklärungsstellen sofort auszubauen und ordentlich zu finanzieren. Laut Bundesfamilienministerium bedarf es mindestens zwanzigtausend Plätze in Frauen*häusern, aktuell gibt es lediglich siebentausend. Frauen*häuser müssen außerdem dringend ordentlich und langfristig finanziert werden, wozu auch eine einheitliche dauerhafte Finanzierung durch den Bund gehört.
Diese Beratungsstellen und Frauen*häuser sind im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig für tausende von Frauen in Deutschland. Aber sie sind natürlich nur Linderung von Symptomen, die die gewaltvollen patriarchalen Strukturen erzeugen. Um den psychischen und physischen Verletzungen, die Männer tagtäglich millionenfach an Frauen* begehen, den Nährboden zu entziehen, müssen wir das Geschlechterbild unserer Gesellschaft verändern. So wie Männlichkeit in der bürgerlichen Tradition konstruiert wird, erzeugt sie Hass und Aggression gegen vermeintliche Schwäche, die sich vor allem gegen Frauen* richtet. Wir wissen auch, dass wir selbst nicht frei von den Geschlechterbildern sind, in denen wir erzogen wurden und denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Wir reproduzieren sie im Alltag und auch in linken Räumen. Gerade deshalb dürfen wir die Augen vor Gewalt gegen Frauen* in allen möglichen gesellschaftlichen Strukturen nicht verschließen. Vielmehr müssen wir das Gewaltpotential von Männlichkeit überall aufmerksam mitdenken, um es erkennen, bennenen und bekämpfen zu können. Dafür bedarf es Bildungs- und Aufklärungsangebote, die ebenfalls staatlich deutlich besser finanziert werden müssen. Und es bedarf einer schlagkräftigen organisierten feministischen Bewegung, die den Finger in die Wunde legt. Es gilt jetzt mehr denn je, sich als Feminist*innen zu vernetzen, die vorhandenen Bündnisse auszubauen und unsere Kämpfe zu intensivieren.

Selbstbestimmung legalisieren – §218/219 abschaffen!
Dies gilt auch für die vermeintlich gute Nachricht der Abschaffung des §219 durch die Ampel-Regierung. Es folgt der Tatsache, dass der Paragraf nach jahrelangen feministischen Interventionen im öffentlichen Diskurs nicht mehr tragbar ist. Allerdings bezieht sich der §219 lediglich auf das Werbeverbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Der Schwangerschaftsabbruch bleibt daher gemäß eines 150 Jahre alten Gesetzes weiterhin illegal. Deswegen schließen wir uns dem Aufruf des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Rechte an und fordern „erst §219a StGB streichen dann §218 StGB streichen!“

Krieg, Krise, Solidarität
Die Häufung von Krisen innerhalb der kapitalistischen Systems und ein entfesselter Nationalismus sind nicht erst seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine zu beobachten. Jedoch wird erneut die Brutalität der einzelnen Akteure sichtbar. Die leidtragenden sind die Angehörigen der Zivilbevölkerung, die zu tausenden vertrieben werden, darunter viele FLINTA*. Für uns kann eine progressive Haltung nur lauten: Nein zum Krieg, Nein zur Aufrüstung, hoch die internationale Solidarität!
Für eine Welt, in der alle Menschen friedlich miteinander leben. Eine Welt, in der Zuschreibungen von Geschlecht, sexueller Identität, Herkunft oder Klasse keine Rolle spielen. Für einen kämpferischen 8. März!

(*Der Stern in „Frauen*“ soll verdeutlichen, dass neben Cis-Frauen auch Menschen, die sich als inter, nichtbinär, trans oder queer identifizieren, patriarchaler Gewalt durch Männer ausgesetzt sind. FLINTA* steht für Frauen, Lesben, inter, trans, agender und nicht-männliche Personen – wir nennen sie zusammen, weil wir finden, dass alle ihre Kämpfe vereinigt gegen bestehende patriarchale Strukturen geführt werden sollten.)
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About: Gedenkstele

Am 8. März 2022 haben wir im Rahmen unserer Kundgebung “ni una menos- keine mehr- stoppt feminizide!” eine Gedenkstele für alle Opfer von Feminiziden im Schillerpark eingeweiht. Die Aktion sollte nicht nur eine selbstbewusste, feministische, öffentliche Raumnahme sein, sondern auch unseren Antrag im Stadtrat unterstützen, dass die Stadt Leipzig einen Trauerort einrichten soll.
Nicht mal 24 Stunden später meldete sich das Ordnungsamt Leipzig bei der Anmelderin der Kundgebung, sie möge die Stele bis 7 Uhr am darauffolgenden morgen entfernen, sonst würde das Amt die Entsorgung übernehmen und sie die Rechnung dafür begleichen müssen.
Damit haben wir nicht gerechnet. Dass Kunst und Widerstand im öffentlichen Raum vandalisiert wird, und der Stele das möglicherweise in den kommenden Märzwochen passieren könnte, darauf waren wir vorbereitet. Dass das Ordnungsamt Leipzig diese Stele auf einer ungenutzten Grünfläche nicht mal eine Anstandswoche stehen lassen kann, macht uns wütend.
Da viel Arbeit in die Gestaltung der Stele geflossen ist, haben wir sie also wieder eingepackt und eingelagert und nun kommt ihr ins Spiel.
Wir brauchen Hilfe! Wo könnte die Stele (länger) stehen? Sie soll weder im Abstellraum Staub fangen, noch in einem privaten Garten stehen, sondern möglichst öffentlich zugänglich und einsehbar sein.

Schreibt uns unter keinemehr-leipzig[at]riseup.net
https://www.instagram.com/p/Ca94Qyst2eV/

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Pressemitteilung vom 08.03.2022: “Gegen Feminizide und Männergewalt.”

„Wut, Trauer und Solidarität führten uns zum diesjährigen Feministischen Kampftag am 8. März in den Schillerpark in der Leipziger Innenstadt.“, so Caroline Dalibor, Sprecherin der Gruppe “#Keine Mehr”-Leipzig.
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Wir gedenken …

Annett S.
Yvonne H.
Franziska S.
Nicole K.
Ngoc Duyen T.
Maria D.
Anja B.
Mahin R.
Sophia L.
Nicole Z.
Myriam Z.
Katja U.
Dorin V.

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Aufruf zur Gedenkkundgebung am 8. März, 17 Uhr im Schillerpark

Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle!
Gegen Feminizide und Männergewalt.

Gedenkkundgebung am 8.März, 17 Uhr, Schillerpark

Wut, Trauer und Solidarität – kämpferisches Gedenken an alle, die uns durch Feminizide genommen wurden. Zusammen gegen das Patriarchat, gegen Gewalt an Frauen und Queers!

Feminizide sind die äußerste Zuspitzung von patriarchaler Gewalt, von männlichen Besitzansprüchen und Dominanz. Sie sind kein Einzelfall, keine Privatsache und kein Beziehungsdrama. Sie betreffen uns alle. Wir wollen uns lebendig.
Keine mehr – für ein Ende männlicher Gewalt und patriarchaler Verhältnisse!

Sagt euren Freund:innen Bescheid. Bringt Kerzen, Blumen und weiße Bänder mit.
#Keine mehr Leipzig

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